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S. Sala, Frauenblatt, Wien (März 2002) Erst wenn Sie am Fluss sind.... Man weiß nicht mehr weiter .Bestenfalls ist man ratlos. Schlimmstenfalls will man nur noch, dass alles zu Ende ist. Der Mensch in der Krise -es bleibt niemandem erspart, irgendwann erwischt es jeden. Und man tut sich so leid. Und dann kommt ein Therapeut und erklärt: Machen Sie etwas aus der Situation! Man könnte ärgerlich werden, wenn dieser Dr. med. Jens Baum zu Beginn seines Buches " Wie's weitergeht, wenn nichts mehr geht" nicht seine eigene Lebensgeschichte schilderte. Die eines erfolgreichen Gynäkologen, glücklich verheiratet, drei Kinder, finanziell wohl ausgerüstet. Worauf er den klassischen Fehler beging, übermütig zu werden. Dass er über seine Verhältnisse lebte, zerstörte mit einem Schuldenberg alles - seine Existenz, seine Reputation, seine Familie. Ich kenne die Situation, 20 Mark in der Tasche zu haben, ohne zu wissen, wann und woher das nächste Geld kommt" , schreibt Jens Baum. Nun, wer sich aus solcher Situation hocharbeitet, darf anderen wohl Ratschläge geben. Er zeigt an sich selbst, dass man aus einer Krise gestärkt hervorgehen kann. Heute arbeitet er als Therapeut in einer psychosomatischen Klinik, hat eine neue Familie und legt die Erfahrungen, die er auch aus seiner Arbeit mit Menschen in Krisen gewonnen hat, in einem Buch nieder. Was sind nun seine Strategien in schwierigen Zeiten"? Nun, der Mensch lernt vieles in der Schule, aber der Gegenstand "Lebensmanagement" steht nicht auf dem Stundenplan. Dieses Wissen muss man sich in oft leidvoller Erfahrung selbst erwerben. Und dabei sollte man sich zu allererst von dem Gefühl verabschieden, ein Opfer zu sein. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sein Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Akzeptieren muss man auch, dass Veränderung zum Leben gehört und dass Umwege und Irrwege aus der Rückschau nichts Negatives sind. Auch ist es sozusagen selbstschädigend, sich immer den Kopf darüber zu zerbrechen, was schief gehen kann. Wie die Briten sagen: I'll cross the bridge, when I come to it" - bei Jens Baum heißt der Rat: Überlegen Sie, wie Sie einen Fluss überqueren, erst dann, wenn Sie am Fluss angekommen sind." Denn erstens stellt man sich nie die richtigen Dinge vor, viele angstvolle Überlegungen sind schlechtweg überflüssig. Und zweitens löst man Probleme am konkreten Punkt am besten - und wenn es dann schlimm ist, reicht es noch immer , sich zu fürchten. Ist die Krise dann da, geht es nicht darum, Emotionen zu ignorieren, sondern richtig damit umzugehen. Denn: "Nicht Ereignisse oder Probleme machen Sie fertig, sondern Ihre daraus folgenden emotionalen Reaktionen. Wo man seine Aufmerksamkeit hin richtet, sagt der Autor, dorthin fließt die Lebenskraft. Wenn man sich also dem Hadern und dem Ärger hingibt, dann fehlt die Kraft, wo man sie braucht: bei der Problemlösung. Denn an der Sache selbst ist ja nur etwas zu ändern, wenn man es selbst angeht. Positiv angeht. Für sich positiv. Das heißt, man akzeptiere die Situation, wie sie ist (egal, warum es so gekommen ist) - dann kann man den nächsten Schritt tun. Wenn man es schafft, neugierig auf Lösungsmöglichkeiten zu sein, hat man den Motor für Veränderungen angeworfen. Und das, was man hinter sich lässt, soll man (auch wenn es geistig bewältigt werden will) mit Gelassenheit betrachten. Was der Mensch im Leben benötigt, ist Energie. Weniger im körperlichen als im geistigen Sinn. Hat er sie nicht, wird er sich treiben lassen und verliert die Möglichkeit, sein Leben selbst zu bestimmen. Viele Menschen suchen die Energie von anderen zu bekommen, die aber meist auch nur mit sich selbst kämpfende Menschen sind. Der verlässlichste Energiespender ist man immer noch selbst, weiß Jens Baum. Wenn man sich nicht auf sich selbst, sondern auf andere bezieht und verlässt, gerät man in einen lebenslangen Kampf, den man nicht gewinnen kann. Man kämpft durch Leistung um Liebe - man bekommt sie nicht, man macht dem anderen Vorwürfe dafür , man delegiert die Verantwortung. Und schon ist man ein Opfer. Sie leiden gern, sonst hätten Sie längst damit aufgehört!" weiß der Psychologe Baum aus vielen Fällen seiner Praxis. Wenn es ihm gelungen ist, seine Patienten, die ihn in ihren größten Krisen angejammert" haben, dazu zu bringen, die Selbstverantwortung über ihr Schicksal zu übernehmen, hat er ihnen meist helfen können. Es ist allerdings nicht leicht. Opfer zu sein, ist bequemer. Aber es bringt einen in Krisensituationen absolut nicht weiter... zurück |
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